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Pressemitteilung zur Ausstellung im Herrenhaus in Weissach

K√ľnstlerisches Duett von Nagelfeile und Kettens√§ge
 
Manja Wöhr und Oliver Steiner stellen Malereien und Skulpturen vor
 
Weissach. Psychedelische und filigrane Muster in den Gemälden von Manja Wöhr, korallenartige Strukturen in den Skulpturen von Oliver Steiner - heute Abend eröffnet eine neue Ausstellung im Herrenhaus. Sie verweist auf das Große im Kleinen und das Kleine im Großen.

Von Susanne M√ľller-Baji

Zwei K√ľnstler, zwei Themenbereiche, eine Gesamtanmutung - und alles reiner Zufall. So l√§sst sich die neue Ausstellung des Weissacher F√∂rderkreises Kultur zusammenfassen: Sowohl Manja W√∂hr als auch Oliver Steiner setzen ihre Werke mit viel Freude an der Binnenstruktur um. Als w√ľrden die Motive St√ľck um St√ľck wachsen, wirken Skulptur und Gem√§lde, auf denen man mal Jahresringe zu erkennen glaubt, mal die Maserung von Achat oder auch Ornamente wie aus dem V√∂lkerkundemuseum. Da die beiden nicht nur in der bildenden Kunst Partner sind, vermutet man, dass in die Werke die Einfl√ľsse beider K√ľnstler eingeflossen sind. Doch weit gefehlt: Was sich im Endergebnis √§hnelt, entsteht tats√§chlich aus zwei v√∂llig unterschiedlichen Ann√§herungen heraus.

Da sind die Holzskulpturen von Oliver Steiner im Obergeschoss des Herrenhauses: Er fertigt alle seiner Arbeiten mit der Kettens√§ge. Ein "Dragon-Dog" findet sich, eine grelle Reptilien-Kettenhund-Mischung, die auf drei Beinen balanciert. Dazu tummeln sich "Muschel", "Qualle" und die Serie "Bl√§tter im Wind", die fast wie die Ver√§stelungen von Korallen wirken. Oliver Steiner hat ein Fernstudium der Werbegrafik absolviert und arbeitet als freischaffender K√ľnstler in Karlsruhe. "Ich bin ja kein Schreiner", sagt er √ľber seine Vorliebe f√ľr die groben Kettens√§ge-Schnitte. Nicht zu glatt sollen die Oberfl√§chen wirken, auch wenn er die fertigen Tier- oder Pflanzenformen schlie√ülich ganz klassisch fasst, mit Wachs einl√§sst oder lackiert.

Manja W√∂hrs Acrylbilder mit so bezeichnenden Titeln wie "Die Denkerin" oder "Die Masturbantin" spiegeln dagegen eine rundum weibliche Sichtweise wider. Das belegen die im Erdgeschoss ausgestellen Arbeiten des Zyklus "Kleine, wilde Frau", zu denen "als Ableger" auch leoparden- und zebragemusterte Textilskulpturen entstanden sind. "Darin geht‚Äôs um den Urinstinkt der Frau" verr√§t Manja W√∂hr, die die Freie Kunstschule in Stuttgart besucht hat. Einige ihrer Arbeiten zeigen K√∂rperformen, die in der Hauptsache aus gut manik√ľrten H√§nden zu bestehen scheinen, die von erotischen und zugleich aggressiven Fingern√§geln dominiert werden.

Dass Manja W√∂hr gern leuchtende Farben und Ornamente verwendet, h√§ngt wohl auch mit ihren Auslandsaufenthalten zusammen, vor allem mit Kenia, wo sie sechs Jahre gelebt hat. Doch auch durchaus psychedelische Streifenmuster finden sich in den plakativen Gem√§lden und fr√∂hliche Bl√ľher, wie Pril-Blumen. Besonders das Bild "Rausch" belohnt den aufmerksamen Betrachter: Fr√∂sche entdeckt man, Gl√ľcksk√§fer, Flaschen, Cocktailgl√§ser, ein Papierboot und viele vierbl√§ttrige Kleebl√§tter. Sie alle zusammengenommen ergeben ein Frauengesicht. Doch Vorsicht: Nur wenige Schritte weiter zeigt "Kater", wie es um den Zecher am anderen Tag bestellt ist: Der Mund h√§ngt schr√§g, das Auge kreiselt und viele blaue Sterne und rote Nervenenden deuten auf heftige Kopfschmerzen hin.

Die Ausstellung eröffnet am heutigen Freitagabend um 19.30 Uhr und ist bis Sonntag, 5. November, jeweils sonntags von 10.30 bis 17 Uhr zu sehen.
 
Leonberger Kreiszeitung, Stuttgarter Nachrichten.